Teil eines Werkes 
Die Heimkehr oder Was fehlt uns? : eine Erzählung für das Volk / von O. Glaubrecht
Einzelbild herunterladen

Vorredee.

Was fehlt uns? ſo fragt es durch die Welt hin mit gar ängſtlichem Tone; und die Welt und das Herz, die beide des Geiſtes Gottes ſo ſelten voll ſind, zögern nicht lange mit der Antwort.Gebt uns das Wort frei, daß wir reden können, darnach uns gelüſtet! rufen die Gelehrten;befördert den Verkehr durch die Welt, hebt die Zölle auf und baut Eiſenbahnen! ruft der Kaufmann;fangt Krieg an, ſchreit der Soldat,der Degen verroſtet in der Scheide!Nehmt uns Steuern und Zehnten und Laſten ab, ruft der Bauer,dann iſt uns geholfen!

Wer will ſagen, die Zeit höre nicht auf dieſe Wünſche! Thut ſie nicht Alles, wovon ſie glaubt, daß es dem Menſchenherzen gefalle; ſind wir nicht mitten in einer gelehrten, gewerbreichen, kaufmänniſchen, erleichternden, mit einem Worte, in einer humanen Zeit? Und doch hört die Frage nicht auf:Was fehlt uns? Als ein Schrei des lauten Schmerzes, als ein leiſes Seufzen, nur dem bekannt, der ſein Ohr an die Bruſt des Volkes legt, dringt die Frage:was fehlt uns? durch die Welt.

Wenn im Heidenthum die Menſchheit nicht wußte, was ihr fehle, dann ging ſie hin zu den Orakeln und fragte die um Rath, und aus der Prieſter Mund kam der Götter Wille. Nun hat zwar die Menſchheit mehr gelernt, denn in der grauen heidniſchen Zeit; aber auf ihren eignen Füßen zu ſtehen, hat ſie auch heute noch nicht gelernt, wird ſie auch nie lernen. Kinder bleiben wir, ſo lange wir in dieſem Leibe wallen, und als ſolche bedürfen wir der lauteren Milch des Cvangeliums. Wer das Reich Gottes nicht empfähet als ein Kind, der kommt nicht hinein. Und der Herr dieſes Reiches, der weiß, was in dem Menſchen iſt, der das Seufzen der Creatur kennt, der von Gott uns gemacht iſt zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Er⸗