— 370—
Adern rann. Er mußte todtbleich geworden ſein, das fühlte er, denn es war ihm kalt vor Schrecken bis an's Herz hinan.
Der Stadtſchreiber, der des Mannes Jähzorn kannte, wich bis in die Nähe der Thüre zurück, um nöthigenfalls ſich ſalviren zu können. Er ſagte verlegen:„Die Herren Rothgerber haben gar mancherlei Fatalitäten uns berichtet, die Euch ſollen zugeſtoßen ſein, maßen ich mein Beileid nicht wollte unbezeugt laſſen.“
„Sparet Euer Beileid für dringlichere Fälle, Herr Stadt⸗ ſchreiber,“ eiferte Berlefick,„und ſagt den Herren Rothgerbern, ſie ſollten ſich um ihr Leder kümmern, das ohnehin das ganze Meßſchiff durchſtänkert hat. Es waren kleine, poſſirliche Unfälle, die ein böſer Bube, der Pitt, des Schiffers Eidam Schiffsjunge, mir angezettelt hatte. Er brummt dafür in der Mehlwaage zu Frankfurt. Ab damit! Laßt uns von etwas Anderm reden. Sind die Schulden des verſtorbenen Wink bereits gerichtlich aufgenommen?“
Der Stadtſchreiber, welcher im Stillen Gott dankte, daß er ſo glimpflich weggekommen war, bejahte die Frage und gab ihm ungefragt die Verſicherung, daß auch ſeine zweitauſend Gulden primo loco verzeichnet ſtünden.
„Hat er kein Teſtament gemacht?“ fragte Berleſick.
„Nein,“ erwiederte der Stadtſchreiber.
„So wird alſo das Haus verſteigert?“
Der Stadiſchreiber bejahte abermals mit dem Zuſatze, daß dies ſchon morgen geſchehen würde.
Auf die Frage, ob das Haus Liebhaber habe, meinte der Stadtſchreiber, es ſei ſo gut gelegen, daß er kaum daran zweifeln könne.
Nach einigen gleichgiltigen Redensarten dankte Berlefick für die Mittheilungen, und der Stadtſchreiber machte ſich eilig aus der Stube.
Aber jetzt brach des Alten verhaltener Grimm los.„Alſo auch hier bekannt?“ rief er aus und rannte in der Stube herum, wie ein Beſeſſener. Er fluchte auf die Gerber und auf ſeinen
*


