In der Frühe des andern Morgens ſaßen wir in einem Coupé des erſten Bahnzuges beieinander. Um der Ermüdung einer ununterbrochenen Fahrt bis Oſtende zu begegnen, hatten wir bloß bis Lüttich Karten genommen. Dort wollten wir übernachten, um am andern Tage zeitig in Oſtende einzutreffen.
Das ſchnaubende Ungeheuer der Locomotive flog pfeilſchnell auf dem künſtlichen Eiſenwege dahin— bald uns durch die infer⸗ naliſche Dunkelheit der Tunnels dahinführend, bald wieder uns dem hellen, heißen Sonnenſtrahle hingebend.
Es iſt eine bewundernswürdige Anlage, dieſe Eiſenbahn, die bald die Eingeweide der Berge durchſchneidet, bald über hohe Via⸗ ducte, weit über den Dächern der Menſchenwohnungen, bald über rauſchende Gewäſſer, bald endlich durch liebliche Gegenden, an Dörfern und Städtchen vorübergeht. Es war eine liebliche Gegend, im Schmucke friſchen Grüns, durch die wir hinflogen. Sie bot dem Auge die anmuthigſte Abwechslung, ſo ſchnell auch das Alles an Einem vorübergeht.
Die reizende Umgebung Aachens entzückte uns und wir bedauer⸗ ten es, daß wir nicht hier übernachten konnten, weil uns noch Zeit genug geblieben wäre, vom Lousberge aus, den ſchönen Anblick der Stadt und Umgebung zu genießen.
„Aachen!“ rief plötzlich der Conducteur in den Wagen.
Wir ſtiegen aus, um eine kleine Erfriſchung zu nehmen.
„Verhägen, du hier?“ rief da plötzlich ein Fremder und in demſelben Augenblicke lag mein Reiſegefährte an der Bruſt eines Freundes, den er ganz unerwartet hier traf.
Als ich meinen Durſt gelöſcht, trat mir Verhägen mit dem Fremden entgegen.
„Das unerwartete Wiederfinden eines alten, treuen Freundes,“ ſagte er zu mir,„hat meinen Plan für's Erſte geändert. Ich bleibe einige Tage hier und hoffe Sie dann in Oſtende wieder zu
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