Teil eines Werkes 
12. Band, Neue Folge : 4. Band (1856)
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Dort zieht ſich nämlich der ungemein flache Strand ſehr weit in das Meer hinein und bringt dadurch den Schiffen, wenn nämlich der Sturm aus Nordweſt bläſt, große Gefahr.

Verhägen kam in einer ſtockfinſtern Novembernacht auf die Höhe von Oſtende. Genau bekannt mit den Gefahren bei ſeiner

Vaterſtadt, ſuchte er das hohe Meer zu halten; allein der Nord⸗

weſtſturm, welcher die ſchauerliche Tiefe des Meeres aufwühlte, wurde je länger, je heftiger und wilder. Ein entſetzlicher Stoß riß den Hauptmaſt hinweg, daß er eiligſt gekappt werden mußte.

So war das Schiff ſchon ein halbes Wrack, das dem Toben der entzügelten Elemente keinen Widerſtand mehr leiſten konnte. Die Nacht war undurchdringlich dunkel. An dem immer näher⸗ rückenden Lichte des Leuchthurms konnte er das Wachſen der Gefahr erkennen, denn das Schiff nahte bei hoher Fluth ſehr ſchnell der Küſte und ſomit rettungslos ſeinem Untergange.

Das, was die Schiffenden voraus ſahen, geſchah. Der Sturm ſchleuderte das Schiff auf den Strand und zwar mit einer ſolchen Gewalt, daß es auseinander borſt. An Rettung war nicht zu

venken, denn das Boot, worin ſich ein Theil der Mannſchaft retten

wollte, ſchlug um und ließ ſie alle ihren Tod in den Wellen finden.

Verhägen wich nicht von ſeinem Schiffe, bis es zu Grunde ging und eine Sturzwelle ihn in die toſende Fluth ſchleuderte. Er war ein guter Schwimmer und hoffte das Ufer zu erreichen, allein die Meerfluth brach ſich mit unausſprechlicher Gewalt an den Dünen zwiſchen Oſtende und dem Fiſcherdorfe Mariakerke. Mehrere Male warfen ihn die Wellen wider die hohen Dünen, ohne daß er dort Halt finden konnte. Seine Kraft ließ nach; ſeine Beſinnung wich und ſein Stündlein war gekommen. Wenigſtens glaubte er es,

befahl ſeine Seele dem Herrn und war leblos, ein Spiel der Wellen.

In ſolchen Nächten ſind die Bootsleute und Lootſen von Oſtende keine müßigen Zuſchauer, wie das Meer die feſten Gebäude

der Menſchenhand zertrümmert und ihren Wohlſtand und das

Leben in ſeinem grauenvollen Schooße begräbt.

Die Lootſenglocke wimmert in das angſtvolle Geſchrei det