Teil eines Werkes 
11. Band, Neue Folge : 3. Band (1855)
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leſen, daß er der gelehrteſte und tüchtigſte Beamte geweſen, und daß es für die Wiſſenſchaft nicht genug zu beklagen ſei, daß er, da ſeine ebenſo gelehrte als geiſtreiche Doctordiſſertation ſo viele enntniſſe verrathen und noch ſo Schönes habe hoffen laſſen, unter den vielen Berufsgeſchäften, die Zeit nicht mehr habe erübrigen können, den Schatz ſeines reichen Wiſſens der Welt durch weitere gelehrte Werke zu erſchließen.

Ich lächelte, als ich das und reichte das Blatt meiner lieben Frau.

Sie lächelte auch und ſagte: Dieſer ſäet, und Jener erntet. Aber wie erſtaunten wir, als ſich in ſeinem Teſtament ein Codicill fand, das beſtimmte, daß der Herr Organiſt Chriſtian Schneider ein Legat von Tauſend Gulden erhalten ſolle, weil er, der Herr Ehegerichtsrath, ihm vielen Dank ſchuldig ſei.

Siehſt du, ſagte Mariechen, der Menſch war doch noch der ſchlimmſte nicht!

Was mein eheliches Leben betrifft, ſchloß der Vetter, ſo iſt es ein heiterer Frühlingstag geweſen, und der Feierabend wird, Gott gebe es, ein heiterer ſein, denn ich hoffe, wir ſollen nicht lange getrennt bleiben.

Sehen Sie, ſprach mein Nachbar, als er dieſe Geſchichte

beendet hatte, das iſt ein Stück kurpfälzer Geſchichte. Wenn

darum die Leute dies alte Regiment loben, geht's mir allemal wie ein Scheermeſſer durchs Herz. Ja, es hatte ſein Gutes, aber es war ganz abſcheulich viel Schatten bei dem wenigen Licht.

Um aber noch einmal auf meinen Herrn Vetter zu kommen,

ſo hatte er eine Vorahnung am Schluſſe ſeiner Erzählung aus⸗ geſprochen, die ihre volle Erfüllung fand. Seine treffliche Frau, mit der er ein Leben wie im Himmel ſchon hier auf Erden geführt, ſtarb zuerſt, und nicht volle acht Tage drauf folgte die ganze Stadt

Mannheim dem allverehrten Manne zu Grabe. Einen Organiſten

wie ihn konnten ſie nicht wieder finden.