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„Da er einen Augenblick inne hielt, ſo fiel ich ein und ſagte: Der hochwürdige Kirchenrath hat die volle Wahrheit gehört!
„Da ſprang er auf und wurde ganz bleich. Wie? rief er, es wäre wahr? Sie hätten ſo ganz die Würde des geiſtlichen Amts aus dem Auge geſetzt, daß Sie, ein Theologus, eine Organiſtenſtelle anzunehmen im Sinne hätten?
„Erlauben Sie, Herr Kirchenrath, ſagte ich, daß ich Ihre Meinung berichtige. Seit vierzehn Jahren bin ich Candidat. Daß ich arm bin und nur mit Kummer und Sorgen mein Brod aß, iſt Ihnen bekannt; daß meine Kenntniſſe tüchtig ſind, haben Sie ſelbſt beurkunden helfen; daß ich mich um jede erledigte Pfarrſtelle im Lande bewarb, iſt weltkundig, wie Das, daß ich keine erhielt. Immer waren Vettern da; immer erhielten ſie Solche, die begünſtigt waren oder die Mittel hatten, ſich die Gunſt zu erwerben und zu ſichern; mehrmals wurden ſchmachvolle Bedingungen gemacht, als da waren: die Heirath der Pfarr⸗ wittwe oder einer Tochter, die ich nicht eingehen konnte. In Summa— für mich fand ſich keine Stelle. Da bin ich der Mißhandlung müde geworden; müde des kümmerlichen Erwerbs; müde des Duldens und Harrens, und habe den ſchönſten Wünſchen meines Herzens, dem mit Liebe gewählten, mit Treue erſtrebten Beruf entſagt. Ich bin erwählter Organiſt. Die Sache iſt zu Ende und ich glaube, auch unſere Unterredung, ſo Gott will, die letzte in dieſer Welt.
„Ich nahm meinen Hut, verbeugte mich und wollte gehen.
„Ihr hättet den hohen Herrn ſehen ſollen, wie er erdfahl ausſah, wie ſeine Lippe zitterte; wie Grimm und Scham in ihm um den Vorrang ſtritten!
„Er faßte krampfhaft meinen Arm und drückte mich auf den Stuhl zurück.
„Sie haben da harte Worte geredet, die ich nicht anhören dürfte, ſagte er, nach Faſſung ringend; aber ich will ſie nicht gehört haben, will ſie vergeſſen. Nur das Eine muß ich Ihnen ſagen, Sie müſſen die Zuſage zurücknehmen. Sie beſchimpfen den Stand der Diener der Kirche heillos. Sie bringen den


