Teil eines Werkes 
11. Band, Neue Folge : 3. Band (1855)
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nehmen Sie die Stelle an. Es wird Sie nicht gereuen. Das Vermögen der Kirche iſt groß. Der Kirchenvorſtand wird einem Mann Ihrer Kunſt gern ein Erkleckliches zulegen. Und dann, bitte ich, geben Sie meinen Kindern Unterricht. Die Mutter reichte mir ihre Hand und ſagte, ich danke Ihnen für den Genuß, den Sie uns bereitet und lege zu der Bitte meines Gatten noch Eine ein, ſein Sie heute unſer Gaſt zum Abendbrod, morgen zum Mittage! Ach ja! Ach ja! baten die Kinder. Mir wurde ſo eigenthümlich zu Muthe, daß ich faſt meinem Gefühle nicht wehren konnte. Das war ein Abſtand gegen heute früh bei dem Ehegerichtsrath! Ich konnte den Bitten nicht wider⸗ ſtehen und blieb. Während des Eſſens erwiederte ich dem Vater, der mir ſagte, er habe meine Phantaſie ſo recht mit ſeinem Herzen begleitet, wie ſie ſo recht Das, was ich an dieſem Tag erlebt, abgeſpiegelt habe. Ich mußte erzählen und that's. Ich ließ ſie in mein Leben blicken und das gewann mir dieſe edeln Herzen vollends. Wie empört waren ſie über Das, was ſie hörten! Aufs Neue bat mich der Vater, meinem innern Berufe zur Muſik zu folgen. Er zeigte mir, wie Mannheim gerade der Ort dafür ſei, und malte mir, ohne zu lebhafte Farben, eine ſchöne Zukunft.

Es war ſpät, als ich dieſe liebe Familie verließ. Schlafen konnte

ich nicht.

Frühe hatte der Vorſteher, der ein reicher, angeſehener Kaufmann war, Alles bereits geordnet. In ſeinem Hauſe erwartete ich das Lied. Der Küſter brachte es endlich. Es war wieder das

herrliche:Wachet auf ꝛc., und meines Vaters ſchöne Compoſition,

die ich unvergeßlich inne hatte, trat mir in die Gedanken.

Es läutete endlich.

Ich ging mit dem Kaufmanne zur Kirche. Sie war gedrängt voll. Ich ſetzte mich auf die Orgelbank und ſpielte meines theuern Vaters Compoſitivn und ſie hob meine Seele zum heiligſten Gefühl. Ich glaube, daß ich nie ſeelenvoller geſpielt habe. Ohne an den Zweck zu gedenken, zu dem ich ſpielte, legte ſich meine ganze Seele in die Töne, die aus dem herrlichen Inſtrumente