Teil eines Werkes 
11. Band, Neue Folge : 3. Band (1855)
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und bedient ſich fremder Achſeln für die eigene Bürde, während

ſie ſie ſelber beſſer tragen könnte: meines Wiſſens habe ich Ihre Mühe anſtändig honorirt oder ſollte

Nein, nein, rief ich faſt zitternd vor Entrüſtung; das iſt's nicht, woran ich Sie erinnern wollte, ſondern an Ihr Verſprechen, für mich einmal Ihren Einfluß geltend zu machen. Ich bin acht und dreißig Jahre alt und bin noch Candidat. Kenntniſſe habe ich, das wiſſen Sie am Beſten. Da wollte ich Sie um Ihr Fürwort bitten. Ich habe Sie zum Manne gemacht, Sie ſollten mir zu Brod helfen. Nun ſehe ich, daß ich mich geirrt. Ich habe nichts zu hoffen. Leben Sie wohl, Herr Doctor!.

Ich wandte mich und ging.

Der Menſch ſtand da wie eine begoſſene Katze. Der reiche, mächtige Mann erbleichte, und ich, der arme, vergeſſene, brodloſe Candidat, ging ſtolz wie ein König von dannen.

Es war Samſtag. Ich lief in meiner Aufregung in den Schloßgarten, bis ſich mein Gemüth beruhigt hätte; aber meine Gefühle waren zu ſehr erregt; ich ſetzte mich an eine verborgene Stelle, ſtützte den Kopf in die Hand und ein Thränenſtrom entquoll meinen Augen!

Vor mir lag ein verarmtes Leben ohne Ziel, ohne Ausſicht. Was ſollte aus mir werden? Konnte ich Mariechen mit mir in das Elend hinabziehen, das ich über mich kommen ſah? Immer trüber wurde es mir um die Seele und immer heftiger rannen meine Thränen. Die Erfahrung, die ich heute gemacht, war die allerbitterſte meines Lebens.

Es war ſchon dunkel, als ich in das Wirthshaus zurückkehrte, wo ich eingekehrt war. Der Wirth war ein redſeliger, braver Mann, der ſich Mühe gab, mich zu unterhalten. Er erzählte mir Hof⸗ und Stadtgeſchichten, die ich kaum halb hörte. Endlich ſagte er, der Organiſt an ihrer Kirche ſei geſtorben, und morgen ſei Probe vor der Wahl. Es hätte ſich aber nur Einer für fähig gehalten, die Stelle des ausgezeichneten Mannes anzuneh en, den der Tod der Gemeinde entriſſen. Die Stelle trage ein ſchönes Gehalt ein; das Haus ſei ſehr hübſch, der Garten groß, und da