Teil eines Werkes 
11. Band, Neue Folge : 3. Band (1855)
Einzelbild herunterladen

—————

*

———————————

— 0

Banden an meinem Mariechen, die ſo manche gute Partie ausgeſchlagen hatte, um mir die Treue zu bewahren. Wir hatten uns lange treu geliebt und in unſeren Herzen heilige Treue gelobt, ehe das Wort über die Lippe ging. Endlich aber

war auch die Scheu vor dieſem Bekenntniß überwunden worden,

und wir gelobten uns die ewige Treue. Sie war bei der Freifrau von Zilnhardt Kammerjungfer und ſparte ſich zu unſerem Haushalt und ich that desgleichen. Die Sparpfennige wuchſen und die— Jahre, aber die Hoffnung ſchrumpfte immer mehr zuſammen.

„Meine lieben Eltern waren alt geworden und mein Vater ſtarb endlich. Ich nahm meine liebe Mutter zu mir und ſie führte unſeren kleinen Haushalt, bis auch ſie dem geliebten Gatten folgte. Ach nun ſtand ich allein. Acht und dreißig Jahre war ich alt, und noch immer Candidat und kein Menſch fragte nach mir, als etwa kranke, faule und zu einer Reiſe luſttragende Pfarrer aus der Umgegend von Heidelberg, für die ich predigen ſollte. Ich that's auch; die Gemeinden hörten mich gern, aber an eine Verſorgung dachte Niemand, am wenigſten die Herren Kirchenräthe, die meine Armuth kannten. Nachgerade wurde ich des Lebens überdrüſſig, troſtlos und ſchwermüthig.

„Da dachte ich an den Herrn Ehegerichtsrath, deſſen Doctor⸗ diplom ich erwirkt, und es kam mir der Gedanke, ihn an das Wort zu erinnern, das er mir einſt gegeben, mir Zeitlebens dankbar ſein zu wollen. „Ich reiſte nach Mannheim und ließ mich melden. Obgleich ich meinen Namen deutlich geſagt, wurde ich rei Tage nach einander abgewieſen. Bald war der Herr Ehegerichtsrath in der Sitzung, bald mit Geſchäften überhäuft, bald hatte er vornehme Geſellſchaft. Endlich wurde ich vorgelaſſen.

„Er ſah mich befremdlich an, als ich meinen Namen nannte. Habe, meines Wiſſens, nicht die Ehre, ſagte er, Sie zu kennen.

„Erlauben der Herr Ehegerichtsrath, ſagte ich innerlich vor 2

Zorn glühend, da ich Sie daran erinnere, daß ich Ihnen die Doctordiſſ ertation ſchrieb.— „Ach ja, ſagte er darauf lächelnd, die Jugend iſt oft träge,