habe ein erſtaunlich muſikaliſch lugenium, und er wolle für jede
Stunde ſechs Kreuzer gerne zahlen, auch neune, wenn ich wolle i Da griff ich mit Freuden zu, denn dieſe Stunde hatte das war ein ſchönes Honorarium. Ich beſchloß alſo gleich, d das allemal Sonntags ausbezahlt werden ſollte, in dieſer eren Zeit meinen lieben Eltern nach Ladenburg zu bringen, wenn ich Sonntags frühe oder Samſtag Abends heimging, da ich die Stunde Samſtags von Eins bis Zwei gab. Wie groß die Freude meiner Eltern und meiner Gönner, des Herrn Inſpec⸗ toris und Rectoris war, kann ich gar nicht ſagen.
„So iſt denn endlich das letzte Jahr herumgegangen, welches ich auf der Neckarſchule zubrachte, und mit dem nächſten Halbjahr ſollte ich Student werden.
„In Heidelberg befand ſich nun neben dem Neckarthor ein Haus, das Collegium Sapientiae, oder gemeinhin„die Sapienz“ hieß. Das war eine Stipendien⸗Anſtalt für ſolche, welche arm waren und Theologie ſtudirten. Das war ſo eine fromme Stiftung aus alter Zeit, und die Studenten, welche darin freie Wohnung und freien Tiſch, das heißt, Eſſen, hatten, hörten auch die Vorleſungen an der Univerſität frei, mußten ſich aber einer gewiſſen Hausordnung unter⸗ werfen, und hießen:„Sapientiſten.“ Mich dahinein zu bringen,
war der beiden Gönner Beſtreben, und dem Arme, den der gute
Herr Inſpector im hohen Kirchenrathe hatte, gelang es leichtlich. So zog ich denn, zu Mariechen's Kummer in die Sapienz; denn nun brachte ſie mir kein Eſſen mehr, und ich ſah ſie und ſie mich ſelten.
„Wer aber denken ſollte, ich hätte meine alten Freunde nun vernachläſſigt, der wäre auf falſcher Fährte geweſen; ich ging viel⸗ mehr öfters hin, und da ſie mich lieb hatten, wurde ich auch oft zu ihnen eingeladen. Da ſah ich denn das holdſelige Mariechen, wenn ich auch nicht mit ihr plaudern konnte, wie damals, als ſie mir Freitags die köſtliche Faſtenſpeiſe brachte. Wir waren auch ſo
zufrieden, denn daß wir uns lieb hatten, wußten wir ja ohne
daß wir es uns zu ſagen nöthig hatten.
„In Mariechen's Leben gab's aber um dieſe Zeit eine Anderung, vit noch ſeltener das Sehen zuließ. Der Vormund


