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glaube, es gibt Wenige, die nicht eine ähnliche Geſchichte mit ihren Händen ſeiner Zeit erlebt haben. Es ſind erſchreckliche Gliedmaßen zu ſelbiger Zeit! n
„Da ging die Noth an den Mann! Der Vater hatte verſprochen, mich zu kleiden; aber es fand ſich, daß ich ſo ziemlich Alles verwachſen hatte, und das lief ins Geld. In Ladenburg wär's noch gegangen, aber als Neckarſchüler lautete denn doch die Geſchichte anders.
„Während mein Vater daſaß und an den Nägeln kaute, nahm meine Mutter das Wort und löſte den Knoten, wie denn die Weiber allemal am Beſten Rath zu ſchaffen wiſſen; denn ſie ſind erſtaunlich kniffig und pfiffig.
„Wilhelm, ſagte ſie zum Vater, du gquälſt dich wieder einmal um des Kaiſers Bart, und der Rath liegt ſo nahe! Chriſchtian iſt ja ſo dünne aufgeſchoſſen wie ein Strickſpieß, und mein Vater, ſeliger, war ein Mann, der ins Gevierte etwas maß, da er noch lebte. Du weißt wohl, wir haben ſeinen Hochzeitsrock noch; er iſt von leberfarbigem, ſchwerem Tuch und der Schneider macht ihm einen Staatsrock draus!
„Mein Vater ſeufzte tief auf, aber man hörte, mit dem Seufzer ging eine ſchwere Laſt von der Seele weg.
„Du ſollſt Rathsherr zu Nürnberg werden, du vortreffliches Weib, ſagte er erleichtert. Geh', hol' ihn'mal.
„Das ließ ſich meine Mutter nicht zweimal ſagen.
„In weniger Zeit, als man ein Vater⸗Unſer beten kann, war ſie wieder da und hielt triumphirend den Rock in die Höhe. Man hebt doch etwas nie zu lang auf! ſagte ſie freudig.
„Ja, das war noch ein Kerntuch, wie man heutzutage keins mehr zu ſehen kriegt! Hier und da hatte zwar eine haushälteriſche Motte für ihre liebe Nachkommenſchaft darin ein zart Bettlein beſtellt und die kleine Brut hatte geweidet; allein das fiel weg bei meinem dürren Häringsleibe, und für den Umſtand, daß ſtellenweiſe die Farbe ihre Treue nicht bewährt, auch diverſe Flecken darin und aus beiden Gründen Braun und Lehmgelb in nachbarlichem Frieden
ſich in die Oberfläche des ehrwürdigen Kleidungsſtückes theilten,


