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Leute liefen zuſammen. Uberall wurde nach ihm geſucht, aber nirgends fand man ihn, bis es Einem einfiel, im Brandweiher zu ſuchen. Richtig, da lag er drinnen. Man mußte die Schleußen öffnen, um ihn herauszuholen.
„Ihr könnt Euch denken, daß ihm ſo wenig Liebe und Mitleid folgte, als ſeiner Frau, ja im Grunde noch weniger, weil er ſich ſo ſchlecht aufgeführt hatte.
„Dorthin hab' ich ſie neben das ſchuldloſe Opfer ihres Hochmuths gelegt; aber Niemanden iſt es eingefallen, eine Blume auf ihr Grab zu pflanzen, auch mir nicht.—
„Kaum war er todt, ſo ſtrömten die Gläubiger zuſammen und mit Erſtaunen hörten die Leute von der Menge der Schulden, die auf Hof und Gut laſteten. Da mußte denn Alles unter den Stecken kommen und iſt verſteigert worden. Der reiche Müller aus A. erſtand das Ganze um eine hohe Summe. Was von den Schulden übrig blieb, wurde, da man von Paul nichts erfuhr, bei'm Gerichte niedergelegt und da wird's noch verwaltet. Und im Hofe ſitzt nun die Müllers Carline und ihr Mann, brave Leute, die das Gut mit Segen bauen.“
Hier endete der Greis. Es war dunkel geworden über ſeinep Erzählung. Ich gab ihm ein Geſchenk und dankend ging er nach ſeinem Häuschen hinüber. Ich warf noch einen Blick nach Irmel's Grab und ging zu meiner Herberge, im Innerſten meiner Seele bewegt. Und warum bewegte mich die Geſchichte ſo tief?— Warum erklingen die Saiten eines Inſtrumentes, wenn ein ähnliches in ſeiner Nähe erklingt?— Warum treten Thränen in unſer Auge, wenn wir ſie in einem anderen glänzen ſehen?— Tief in der Menſchenbruſt werden Erinnerungen wach⸗ die lange, lange ſchliefen, wenn die Züge eines Angeſichts, wenn die Ahnlichkeit einer Gegend, wenn die Ereigniſſe eines anderen Menſchenlebens ſie wecken, oder wenn eine Erzählung ähnliche Begebenheiten unbewußt berührt?
Warum?— Warum?———


