Nach zwei Tagen trat er mit unmuthigem Ausdruck in ſeinen wohlwollenden Zügen in des Maeſtro's Gemach.
„Nun hab' ich die Geſchichte heraus,“ ſagte er,„und Eure Vermuthung iſt richtig. Die Liebe iſt die Kette, welche das Talent des Jungen in ſeinem Fluge zum glänzendſten Ziele feſſelt. Einer meiner Diener kennt den Schuſter, bei dem Giovanni wohnt. Da hielt's nicht ſchwer, den Grund ſeiner Zerſtreuung und Unluſt zu finden, denn der Kerl that ſich etwas zu gute darauf, den ſchönen Jungen mit einem ſchönen Mädchen zuſammengekuppelt zu haben. Sie iſt eines Fiſchers arme Tochter, ſoll hübſch ſingen und ein Paar unwiderſtehlicher Augen im Kopfe haben. Nun, wir kennen
dieſe neapolitaniſchen Augen und ihre Gluth! Die haben dem
Jungen den Kopf verrückt. Was iſt da zu thun?“
„Seht Ihr's!“ rief der Maeſtro.„Er iſt nicht der Erſte, den mir ſo eine hübſche Hexe verdirbt. Das hab' ich richtig geahnet.“
„Zugeſtanden, Signor, aber was iſt zu thun? Das iſt die Hauptſache, daß wir ihn aus dem Netze herauswickeln.“
Die beiden Männer beriethen reiflich.
Pergoleſe war eine weiche Natur. Es war weniger von einem entſchiedenen Widerſtande zu fürchten, als von jener ſtillen Hart⸗ näckigkeit eines Gefühls, das ſeine ganze Seele einnahm und beherrſchte.
Es war einige Wochen nach dieſem Zwiegeſpräch, als ein ſtattlicher Wagen zum Thore Neapels hinausrollte. In der rechten Ecke ſaß der Marcheſe Spineſſa, ernſten gehaltenen Weſens; in der linken lehnte ein Jüngling, bleich, kummervoll ausſehend. Sein Auge ſchwamm in Thränen. Es war Giovanni Pergoleſe.
Eine diplomatiſche Miſſion führte den Marcheſe an den Hof von Florenz; doch auch in Rom hielt ihn der Auftrag ſeines Hofes einige Zeit feſt.
Es war ihm und dem edlen Maeſtro gelungen, den Jüngling
aus ſeinem ſeligen Traume zu wecken. Er hatte die Wahrheit deſſen vollkommen erkannt, was dieſe wohlwollenden Männer ihm
1


