Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
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Peitſchte der Wind den Regen draußen, ſo hieß es:Das iſt

doch ein Wetter ſo häßlich, wie die Nacht von Bingen. Wollte man ein Ereigniß in ſeiner Furchtbarkeit bezeichnen, ſo ſagte man: Es war ſo entſetzlich, wie die Nacht von Bingen.

Daß da ein hiſtoriſches Factum zum Grunde liegen müſſe, das war außer Zweifel; Niemand aber wußte mir Etwas zu ſagen. Auch die Bücher, des Deutſchen letzter Troſt, Keßen mich hilflos. Meine Neugierde wuchs indeſſen immer mehr

Einſt lag Bingen vor mir im Morgenſonnengold, und es war mir, als raune mir mein Spiritus lamiliaris ins Ohr:Dort mußt du fragen, um einer Antwort theilhaftig zu werden!

Ich war kurz angebunden, ſprang in einen Kahn, winkte einem Schiffer, und bald glitt das leichte Fahrzeng über die ſich kräuſelnde Fluth hin, die im Goldglanze leuchtete. Wir landeten.

Wo hinäus nun? fragte ich mich, und antwortete mir ſelbſt: Da in den Hotels findeſt du Nichts; denn da ebbt und fluthet die moderne Völkerwanderung; da pulſirt das faſhionable Leben der Gegenwart der Zukunft haſtig entgegen, und die Ver⸗

gangenheit liegt ſo weit hinter ihm, wie die Diligence hinter dem Dämpfer, und die Sänfte hinter der Eiſenbahn. Im Volke mußt dn ſuchen, um zu finden. Als ich ſo durch die Gaſſen ſchlenderte, und die wechſelnden Scenen eines bewegten Wochenmarkts an mir vorübergehen ließ, gewahrte ich einen mächtigen Tannenzweig über der Thüre eines Metzgerhauſes, und erinnerte mich eben, daß ich vft gehört, wie die Binger in lobenswerthem Gemeinſinne ſich einander ihren Wein abtränken. Das war ſo eine improviſirte Schenke in ihrer ganzen Eigenthümlichkeit. Hier durfte ich mit Gewißheit darauf zählen, irgend einen ehemals zünftigen Menſchen, einen körnigen Philiſter zu finden, der mir über meine Angelegen⸗ klaren Wein einſchenken könnte. Zch trat ein, und hatte die de, Männer an einem Tiſchlein ſitzen zu ſehen, die mir ſein ſchienen. Beide waren wohlgenährte, ſtattliche eine ein Bäcker, denn die Farbe ſeines Rockes war