hatten mich viel zu lieb, als daß ihm das gelungen wäre. Der Baum wurde aufgeſtellt und Lieschen half den Mädchen den Kranz machen, der oben daran hängt, voll Bänder und vergoldeter Eier⸗ ſchalen, die ſo ſchön ausſehen. Als es Sonntags Mittags drei Uhr war, zogen wir auf. Ihr heutzutage thut das ſelten mehr. Wir hielten's ſo: Wenn die Muſikanten beim Bäcker angekommen waren, ſo ſpielten ſie einen ſchönen Marſch auf. Nun folgten die Kirchweihburſchen mit Flaſchen und Gläſern. Jedem, der uns begegnete, wurde einmal eingeſchenkt. Zwei führten den Hammel, der ausgelooſt wurde und trugen die Liſte und die Nummern nebſt
einem Dintenfaß zum Einſchreiben. Zuletzt kam der Bäcker. Der
trug den großen vierteligen Weinkrug, aus dem unſere Flaſchen immer neu gefüllt wurden. So zogen wir durchs Dorf und auf dem Rückwege vor die Häuſer der erwählten Mädchen. War Einer aufgeſpielt, ſo ging der Burſch hinein, holte das Mädchen und dieß ſteckte ihm den Rosmarinſtrauß mit rothen Bändern an den Hut.
„Als ich vor Lieschen's Haus anlangte, mußten mir die Muſikanten ihren allerſchönſten Tanz aufſpielen und, das muß ich ſagen, der Lenz von Caub, der die Clarinette blies, ſpielte aus dem FFᷓ heraus, daß man ſchon auf der Gaſſe hätte mögen zu tanzen anfangen. Es war eine helle Pracht! Wie funkelten des Lieschen's Augen, als ich hereintrat und Vater und Mutter, wie es Brauch und Sitte war, in geziemenden, wohlgeſetzten Worten um die Erlaubniß bat, mit ihrem ſchönen Kinde die Kirchweih' halten zu dürfen. Sie gaben's zu und Lieschen holte den Prachtſtrauß, den ſie an meinen Hut ſteckte. Da flimmerten goldene Perlen und breite Bänder dran, und es war der gllerſchönſte von allen auf der Kirchweih'.
„Jörg, wie das Mädchen tanzte! Man meinte, ſie berührte
gar den Boden nicht mit den Füßen; ſie flöge nur ſo herum, wie
ein Vögelein. So glücklich war ich nie wieder, wie damals. Ach, wer hätte es denken ſollen, daß die Frende ſo ſchnell enden ſollte!—


