die Dämpfe aus dem Innern derſelben grade damals aufſtiegen, ſich ballten und zuſammengepreßt wurden; von da aus aber ihre Auswege durch die Spalten und Zerklüftungen verbreiteten ſo weit, als das Erdbeben reichte. Bei Sanct Goar und da herum war ſeine Wir⸗ kung am Gewaltigſten, und je weiter von dieſem Orte verſpürt wurden, deſto ſchwächer wa⸗ ren ſie.
Hier ſchwieg der alte, freundliche Mann, weil er glaubte, ſein Wort nach Kräften gelöſt zu haben. Frei⸗ lich blieb Manchem in der Geſellſchaft Dieß und Jenes noch unklar, und es entſpann ſich ein längeres Ge⸗
ſpräch, das aus Hin⸗ und Herfragen und Antworten
und Erläuterungen beſtand, die ich hier nicht mehr erzählen kann, weil mich das viel zu weit führen würde, und doch vielleicht Einem und dem Andern meiner lieben Leſer noch Vieles zu fragen übrig bliebe, da⸗ rauf ein armes Menſchenkind doch die Antwort ſchul⸗ dig bleiben müßte.
Mir, daß ich es nur bekenne, war es nach dieſer kurz gefaßten Belehrung über die Wirkungen und Ur⸗ ſachen der Erdbeben darum zu thun, daß uns der liebe, alte Mann ſeine Geſchichte erzähle, in und mit der er uns ein Bild der ſchrecklichen Wirkungen des Erdbebens von Liſſabon entwerfen wollte. Die ſchonende Rückſicht auf die Anſtrengung des Greiſes ließ es als nothwendig erſcheinen, ihm eine Ruhe zur Erholung zu gönnen. So bezähmte ich denn mein Verlangen, bis er nach einiger Zeit ſelber wieder anhob und ſagte:
Nun will ich denn zu meiner Geſchichte übergehen, die ſich zur Zeit des Erdbebens von Liſſabon am 1.
November 1755 zutrug, welche mich nöthigt, in den


