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Der Abend des 29. Juli 1846 war für die Be⸗ wohner der Rheingegend, des Hundsrückens und weit bis nach Frankreich hinein und in's Reich, jenſeits des Rheines, ein Abend des Schreckens und der Beäng⸗ ſtigung.
— ir ſind alle gewohnt, auf die Feſtigkeit der Erde unker unſern Füßen, im Gegenſatze gegen das beweg⸗ liche Waſſer, unbedingt zu zählen und zu rechnen. Wir können es uns nicht denken, daß ſich dieſer feſte, ſtarre Boden irgendwie bewege, und wer ein Erdbeben noch nicht erlebt hat, der hat auch durchaus keine Vorſtellung davon, wie augenſcheinlich man es ihm auch beſchreibe. Ich will es gerne eingeſtehen, meine lieben Leſer, daß es mir ebenſo ging. Ich hatte viel von Erdbeben geleſen, wie ſie Italien und das ſüd⸗ liche Amerika heimſuchen oder auch die Inſel Island 4 droben im Norden, aber daß ich es mir hätte klar denken können, das iſt einmal nicht wahr.— So kam 6 der 29. Juli 1846. Der Tag war drückend heiß ge⸗ 3 weſen. Ich freute mich auf die Kühle des Abends, auf das leiſe Wehen des Abendwindes; aber es wurde 3 Abend und keine Kühle kam und kein Luftzug bewegte † die matt herabhängenden Blätter der Bäume des Gar⸗ Horn. Erdbeben von Liſſabon. 1


