— 167—
und Ruͤhrung vor ihr Hingeſunkenen, und ihre
Thränen floſſen auf des Juͤnglings Haupt, „Das ſind“ rief ſie wehmuͤthig:„Deines
Wappenſchildes Perlen! Thränen haben ſie
mir bedeutet, ſeit ich in dieſe Mauern zog.
Aber aus Thränenſaat blühet Freude.“
„O, meine Mutter! Du zieheſt mit mir nach Freienfels, bis hier unſer Schloß neu erſtehet!“
„Morgen, mein Sohn, ſiehſt Du mich dort; jedoch zum letzten Mal. Jetzt gönne mir Ruhe und Sammlung für den Augen⸗ vlick, wo ich nach funfzig Jahren in dem Kreis der Edlen dieſes Landes wieder erſcheine,
— Bis dahin lebe wohl, und Deine Braut
grüße vielmals!“ Der Juͤngling ſchied im Wechſel ſtreiten⸗
der Empfindungen. Als er in den Schloßhof
von Freienfels ſprengte, ſah er die Fenſter der Bildergallerie hell erleuchtet.„Meine Eliſa⸗
veth!“ dachte er,„Ahneſt Du wohl unſer
Gluͤck, oder verdunkelt Beſorgniß um mich Dir dieſe feſtlichen Lichter?“


