149
das in Fünfzehnheiligen ſo gewaltſam unterbrochene Zwiegeſpräch mit ihr oder ihrem Oheim fortzuſetzen. Sie wußte nicht, ob ſie ſich über ſein Kommen mehr freuen oder mehr ängſtigen ſollte. Und wenn Heinrich, bevor er ſich ins Haus wagte, erſt verſuchen würde, ihr allein auf der Straße, auf der Promenade zu be⸗ gegnen! Das freilich wäre allerliebſt geweſen, und wie wollte ſie ihm dann mitten auf der Straße, mitten unter den Leuten alles Mögliche erzählen und vor allem ihm ſagen, daß ſie ihn nach dieſer faſt endloſen mehrtägigen Trennung noch ebenſo lieb habe wie früher.
Hatte ihr Oheim ihn vollſtändig vergeſſen? Es ſchien ſo. Wenigſtens erwähnte er ſeiner mit keiner Silbe und war zufrieden, daß die Erzählung aus dem dreizehnten Jahrhundert einen doch etwas befriedigenden Fortgang nahm. Stunde um Stunde ſaß er vor ſei⸗ nem wieder mit dem unentbehrlichen Ziegelſtein ge⸗ ſchmückten Schreibtiſch, bemüht, aus dieſem traurigen Ueberreſte einer nun längſt ſchon vom Geſchick ereilten Thorruine jene Inſpiration zu empfangen, ohne die er unter keinen Umſtänden arbeiten konnte und die zu ſeiner vierzehnhundertjährigen Geſchichte nöthig war.
Wieder war es an einem ſolchen Tage, daß er ſich nach Möglichkeit der Freude des Schaffens und des


