25
„Wer iſt Fräulein Ameyer?“ flüſterte ich dem Doctor Breitſam zu, der an dem ganzen Skandal un⸗ beſchreibliches Vergnügen zu haben ſchien.
„Das wiſſen Sie nicht?“ fragte dieſer entgegen. „Das iſt die Geliebte des Herrn Kalmus.“
„Ach“ ſagte ich,„ich verſtehe.“
„Was geht Sie Fräulein Ameyer an?“ hatte Kal⸗ mus inzwiſchen gerufen und war todtenbleich im Ge⸗ ſicht Marion einen Schritt näher getreten.
„Rühren Sie ſich nicht von der Stelle“, hatte dieſe ihm dann zugerufen.„Mich geht Fräulein Ameyer gar nichts an, und jedenfalls iſt— ich gebe das mit Ver⸗ gnügen zu— das Intereſſe, das Sie an der Dame neh⸗ men, ein lebhafteres als das meinige.“
Das übrige Schauſpielerperſonal, das inzwiſchen neugierig herangetreten war, lachte hell auf.
„Aber“ fuhr Marion fort,„ich finde es einmal an der Zeit, daß man Ihnen zeigt, wo Bartel den Moſt holt. Glauben Sie mir, wenn ſich die Orſina neulich es gefallen ließ, daß Sie als Marinelli ihr die große Scene im vierten Acte verdarben— ich laſſe mir von Ihnen nichts gefallen.“
„So?“ höhnte Kalmus voll Wuth.„Warum ſoll ich denn jetzt auch der Orſina die Scene verdorben
haben?“


