Teil eines Werkes 
1. Band (1869)
Entstehung
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mit allen Launen und Idioſynkraſien eines Junggeſellen in ſich vereinigt, und der geneigte Leſer hat das voll⸗ ſtändige Bild des Doctor Anſelmus. Er trägt immer dunkle Kleidung, geht immer in Halbtrauer und deutet ſomit nicht unpaſſend den melancholiſchen, trauernden Zuſtand ſeiner Seele an. So viele Wünſche hat er in der langen Dauer eines halben Jahrhunderts be⸗ graben, ſo viele Hoffnungen, die einſt auch ihm, wie allen Erdgeſchöpfen, in der roſenbekränzten Jugend⸗ zeit ſo zuverſichtlich und verheißend lächelten, hat er hinſterben ſehen, ſodaß er jetzt, da er die bei wei⸗ tem größere Hälfte ſeiner irdiſchen Laufbahn hinter ſich hat, und da er es täglich empfindet, daß der Pfad ſeiner Pilgerfahrt ſich ſchon abwärts zu neigen beginne,

auf alle Anſprüche an das Leben verzichtet hat. Wie aber alternde Jungfrauen aus dem Schiffbruch ihrer

Tage wenigſtens ein kleines, mit aller Liebe umſchloſ⸗ ſenes Beſitzthnm ſich zu retten vermögen, ſei es auch nur in Geſtalt eines immer beweglichen Strickſtrumpfs, der, ſo oft ſchon vollendet, ſtets wieder von neuem ſein Daſein beginnen muß, oft erſt den kommenden Geſchlech⸗ tern zum Nutzen, ſo hat auch Anſelmus ſich in das zweite halbe Hundert ſeiner Jahre ein paar ſtille Freu⸗ den mit hinübergenommen, denen er ſich mit ganzer Seele verſchrieben und die wie laue Frühlingsluft allein