22
„Noch vierundzwanzig Stunden!“ rief der Ma⸗ troſe Bermezo.„Betrügſt Du uns dann wieder, ſo haſt Du Deine letzte Lüge hinieden geſagt!“
„Noch vierundzwanzig Stunden, bei S. Jago! Dann Land für uns oder der Tod für Dich!“—
Mit dieſen Drohworten ſtürmten ſie wieder hinaus. Die Nacht verging im düſtern Schweigen. Bei dem Anbruche des Tages ſtieg Columbus nach gewohnter Weiſe in den Maſtkorb hinauf, um dort weiter um ſich blicken zu können. Aber immer noch kein Land und keine Rettung. Der Morgen rückte vor. Da gewahrte man von der Pinta aus treibendes Schilfrohr und einen künſt⸗ lich geſchnitzten Stock, ein kleines Brett und ein Stück abgeſchwemmte Raſenerde. Auch von der Nina ſah man einen mit rothen Beeren beſetzten Zweig. Die Matroſen wurden dadurch in eine beſſere Laune verſetzt. Flam⸗ mend ſank endlich die Sonne wieder in den einſamen Meeresgrund; aber die blendende Fläche des Azurs wurde auch nicht durch die leiſeſte Schattirung unter⸗ brochen, welche dem forſchenden Auge als ein Stückchen Erde hätte erſcheinen können. Columbus hatte den Tag größtentheils auf dem Verdeck hingebracht. Jetzt trat er zum Steuerruder und gebot dem Steuermann, ein wenig die Richtung zu verändern. Dann verſammelte er die Mannſchaft um ſich, richtete herzliche Worte der Er⸗


