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tiges Verfahren nicht mit der Seelengröße überein, die wir ſo oft an der Königin von Caſtilien bewundert ha⸗ ben!“
„Du redeſt kühn,“ ſagte dieſe erregt,„doch iſt es nicht zum Erſtenmale, daß wir an Dir die Wahrheit ver⸗ nehmen, die Niemand ſonſt an unſerem Hofe uns zu ſa⸗ gen wagt. Wohlan, ich will nicht länger die Einflüſte⸗ rungen furchtſamer und mißgünſtiger Rathgeber beachten, ſondern auf die Abſichten des Colon für meine Krone von Caſtilien eingehen. Ich werde zur Beſtreitung der damit verbundenen Unkoſten noch einmal meine Juwelen ver⸗ pfänden, wenn die im Schatze befindlichen nicht dazu hinreichen.“
„Edle, großmüthige Iſabella, ich pabe nicht ver⸗ gebens auf Dich gebaut! Verzeihe mir, wenn ich zu un⸗ umwunden redete!“ rief Elvira, indem ſie ſich auf die Hand der Königin niederbeugte und dieſe an ihre Lippen zog. Die Königin umfaßte ſie leicht und drückte lächelnd einen Kuß auf ihre Stirn. Dann fragte ſie weiter:
„Haſt Du heute den Schatzmeiſter von Caſtilien geſprochen, guter Vater?— Nach ſeinem letzten Bericht muß die Staatskaſſe in dieſem Augenblicke ſehr erſchöpft ſein.“
„Es iſt leider ſo,“ antwortete der Prior.„Der lange Krieg hat ſo viel erfordert, daß ſie faſt leer genannt werden muß.“


