210
abermals das Stichblatt der Volkswuth abgeben, be⸗ ſonders da ſie zuweilen hohe Preiſe für feilgebotene Le⸗ bensmittel forderten. Die Vorrathshäuſer waren leer, Pferde, Hunde und Katzen mußten als ekle Nahrung die⸗ nen. Unter dieſen ſich täglich mehrenden Schreckniſſen überzeugten ſich endlich Boabdil und ſeine Räthe, daß ſie die Stadt nicht länger würden halten können, und es wurde der Vezier Abul Cazim Abdelmalio an die chriſtlichen Herrſcher geſandt, um wegen der Uebergabe mit ihnen zu unterhandeln. Es mußte dabei jedoch mit der größten Vorſicht verfahren werden; denn das ſo ſehr zur Empörung geneigte mauriſche Volk hegte noch immer Hoffnung auf Hilfe von ſeinen entfernten Glaubens⸗ genoſſen, ohne zu erwägen, wie es möglich werden ſollte, dieſe in die Mauern Granadas gelangen zu laſſen. Fer⸗ dinand und Iſabella beauftragten ihren Geheimſchreiber Fernando de Zafra und Gonſalvo de Cordova mit der Führung der Unterhandlungen; der Letztere war wegen ſeiner genauen Kenntniß der mauriſchen Sprache, der Sitten und Gebräuche, ſo wie wegen ſeiner großen Ge⸗ wandtheit beſonders dazu befähigt. Die Beſprechungen geſchahen Nachts im tiefſten Geheimniß, zuweilen inner⸗ halb der Stadt Granada, zuweilen in dem ungefähr eine Meile davon entfernten, kleinen Weiler Churriana. Mehrere Wochen waren über dieſen Erörterungen


