Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

53

von Viana, welche ihr Pilgerkleid mit einem Anzuge hatte vertauſchen müſſen, wie ihn die mauriſchen Frauen trugen. Sie ſtützte den Kopf in die Hand und weihte einer Scene, die man zu ihrer Aufheiterung veranſtaltet hatte, auch nicht die mindeſte Aufmerkſamkeit. Die Töne der mauriſchen Laute erklangen, dazwiſchen ſilberne Glöckchen, welche tanzende Mädchen hinter den Arkaden in den Händen hielten. Zwiſchen den anmuthigen Säulen und den ſilbern dahingleitenden Cascaden ſah man dieſe her⸗ umſchweben. Mit ihren durchſichtigen Gewändern und weißen Armen, mit ihren unhörbaren Schritten erinner⸗ ten ſie an jene Peris der öſtlichen Mährchenwelt, welche zur Wonne der Sterblichen auf die Erde herabkommen.

Sie wurde aus ihrem Hinſtarren durch den Schritt eines Mannes aufgeweckt: der Sultan ſtand vor ihr im grünen, goldgeſtickten Gewande, mit juwelenbeſetztem, goldenem Gürtel und einem weißen, mit Perlen ge⸗ ſchmückten Turban. Auf ſeiner offenen Stirn lagerte die Wolke des Kummers; in den blauen Augen ſprach ſich eine tiefe Schwermuth aus. Sein goldgelbes Haupt⸗ und Barthaar, ſo wie die regelmäßige Schönheit aller Züge gaben dieſen ein Gepräge, wie man es ſelten bei den Kindern des arabiſchen Stammes trifft. Als ihn Elvirens kalter Blick ſtreifte, legte er die Arme kreuzend auf die 8 neigte ſich nach der Weiſe ſeines Volkes und ſprach anft: