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Nein.— Mein Himmel, aber doch leſen und ſchrei⸗ ben? Ja, ein wenig.— Gewiß bemitleideten ſie die Arme, welche von ſich geſteht, ſie habe für Muſik kein Ohr, für das Zeichnen kein Auge gehabt und Tanzen ſei ihr bei ihrer Schüchternheit gar unmög⸗ lich geweſen. Die ängſtliche Scheu zeigte ſich täglich mehr bei dem Kinde, die Worte ſtarben auf den Lip⸗ pen, wenn ſie auch noch ſo gewiſſenhaft gelernt hatte, und leider ſchrieb man die Thränen im Auge öfters dem Unwillen zu, als ſie auf ihre wirkliche Urſache: Scham zurückzuführen. Letitia glich der Sinnpflanze, die bei der leiſeſten Berührung ihre Blätter ſenkt. Schon das Kind ſchuf ſich eine Zauberwelt, wo ſie Troſt für alle Sorgen und Leiden des Lebens finden würde; ſie las am liebſten Gedichte. Robinſon's Leben auf der einſamen Inſel verfehlte auch bei ihr die Wirkung nicht. Wochenlang, ſo erzählt ſie, lebte ich wie im Traum; ich konnte Nachts von nichts Anderm träumen. Im Schlafe ſah ich Robinſons Höle, ſeine Papagaien und wilden Ziegen vor mei⸗ nen Augen ſchweben. Erwachte ich, ſo fand ich mich auf ängſtlicher Flucht vor den Wilden, die in ihren Kanots landeten. Die Ulmen in unſerer Garten⸗ hecke kannte ich nicht genauer, als die Dornſträucher, welche ſeinen Wohnplatz ſchützten.— Sie ſprach und träumte ſchon damals von Reiſen, die ſie un⸗ ternehmen wollte und nach den weiteſten Zügen, die des Kindes Phantaſie machte, kehrte ſie immer wie⸗
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