Teil eines Werkes 
2. Band (1845)
Entstehung
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Friedrike dichtete ſich ſelbſt unklar im Schlafleben empfieng bisweilen auch ein anderer Dichter Einen neuen Gedanken oder erſann einige Verſe, doch im⸗ mer nur als Fragmente; ſie dichtete fortwährend, indem ſie keiner künſtleriſchen Thätigkeit bewußt, auch nicht der Seligkeit des Schaffens und Gelingens theilhaftig wurde, ja indem ſie ihre letzte Nerven⸗ kraft in phantaſtiſch gewaltſamen Anſtrengungen aus⸗ ſtrömte. Und doch wie viele ihrer Ausſprüche fſind reich an jener pvetiſchen Empfindung, die nur den Begabteſten unſers Geſchlechts eigen iſt! Daß Kerner ſie dabei nicht inſpirirte, iſt mir unbezweifelt; ſeine gemüthliche, innige Lyrik konnte ſich in manchen ihrer eigenen Kreiſe eher von Friedrikens poetiſcher Welt⸗ und Geiſterſchau geſtört fühlen, als daß es ihr möglich geworden wäre, durch ihre Aeolsharfenklänge eine, wenn gleich verwandte Seele ſo zu ſtimmen. Kerner ruft der Geſchiedenen nach:

Leb' wohl! was ich dir hab' zu danken, Trag' ich im Herzen immerdar,

Es ſchaut mein Innres ohne Wanken In geiſtge Tiefen wunderklar.

Wo du auch weilſt, im Licht, im Schatten Ein Geiſt bei Geiſtern weileſt du.

O ſende, will mein Glaub' ermatten, Mir liebend einen Führer zu!

Und lebſt du ſelbſt im höhern Bunde Mit ſel'gen Geiſtern leicht und licht,