Teil eines Werkes 
2. Band (1845)
Entstehung
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gleich er in ſeiner begeiſterten Glut mißverſtanden zu werden fürchten mußte und wirklich mißverſtan⸗ den ward. Wir können Charlotte Corday, obgleich ſie nur ein ſchwaches Mädchen, mithin noch eher zu entſchuldigen war, als Männer, doch nicht rechtfer⸗ tigen. Wo finden wir aber dann das Poetiſche in ihrem Bilde? Gerade in dem unſeligen Irrthum, worin ſie gleich befangen erſcheint, liegt ihr tragi⸗ ſches Geſchick, das tiefſte Mitleid einflößend. Sie hat immer nur Liebe zu den Menſchen empfunden; Einen haßt ſie. Sie wagt ein reines, keuſches, un⸗ berührtes Lebensopfer, um dem unzüchtigen, von gif⸗ tiger Krankheit zerfreſſenen, im Laſterpfuhl Umtrei⸗ benden zwei Tage vielleicht vor dem Ziel das Ende zu geben. Sie wähnt, das Volk als eine Horde von Kannibalen zu finden, und will doch ſterben für die Freiheit. Freiheit! wie Viele haben dich als ein Phantom geſucht und nicht gefunden! Du biſt auch Charlottens Würgeengel geweſen. Sie hoffte, Andere würden ihr nachahmen und das Ihrige thun, und keine Hand zeigte ſich bereit. Sie träumte, bald werde ſie mit Brutus und andern Alten im Elyſium wandeln und träumend griff ſie nach dem Schlachtmeſſer. Wir ſtaunen dieſe übermächtige Frei⸗ heitsliebe eines Mädchens an,— aber wir vergeſſen nicht, daß Zeiten wie die der Revolution, in wel⸗ chen alles Beſtehende einzuſtürzen droht oder im ſchwindelnden Kreiſe ſich dreht, die Begriffe der