Teil eines Werkes 
2. Band (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

Palmyra's Größe und Herrlichkeit war Zenobia's Werk und einziges Streben. Darum beſingt ein an⸗ derer Dichter, die Ruinen dieſer Stadt Bſchen das Andenken der großen Königin:

Zenobia! Dn lebſt in dieſen Steinen, Von ihnen trennt dein hehres Bild ſich nicht. Du ſahſt Palmyra's letzte Sterne ſcheinen, Aurelians gefürchtetes Gericht. Doch muthig, ohne Klageton und Weinen, Trugſt du der Feſſeln glänzendes Gewicht, Und zogeſt ſtolz' vom Diamant umflogen, Zum Tiberſtrom, durch deines Siegers Bogen.

Palmyra war dein zweites Seyn und Leben, Dein Morgenſtern, dein letztes Abendroth. Drum wollteſt du dem Sieger dich nicht geben, Als er dir ſtolz des Lebens Kleinod bot. Cleopatra's erhabenes Todesbeben

umſchwebte dich in deiner höchſten Noth;

Wie jene fiel von eignen Heldenhänden,

So wollteſt du den Herrſchertraum beenden,