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Prinzessin und Dienerin : geschichtliche Erzählung aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts / von Gustav Nieritz
Entstehung
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ſtarr auf den ihnen anbefohlenen Punet hefteten. Nur dann, wann der König eine Frage oder andere Worte an einen ſei⸗ ner Leibgrenadiere richtete, zeigte ſich Leben in den Rieſen. An einen der jüngſten und längſten Männer that jetzt der König die Frage:

„Wie lange dienſt Du?“

„Vierundzwanzig Jahr!“

Durch dieſe, mit der Jugend des Kriegers in keinem Verhältniſſe ſtehende Antwort betroffen, that der König die zweite, haſtiger geſprochene Frage:„Wie alt biſt Du?“

„Drei Jahr!“ verſetzte der Rieſe.

„Kerl! biſt Du närriſch?“ rief der König.

„Ja!“ lautete die trockene Antwort.

Der dieſer lächerlichen Seene beiwohnende und darüber in große Verlegenheit gerathene Oberſt des Leibregiments ſah ſich genöthigt, ſeinem Könige eine genügende Aufklärung über des Grenadiers närriſche Antworten zu ertheilen und der Erzähler thut daſſelbe ſeinen Leſern gegenüber.

Der vom König angeredete Grenadier war ein Franzoſe, welcher als unlängſt erſt angeworbener Neuling noch nicht die deutſche Sprache erlernt hatte. Da der König die Fran⸗ zoſen nicht leiden konnte, ſo hatte man den Grenadier, um deſſen Herkunft vor dem Könige zu verheimlichen, die Ant⸗ wort auf deſſen Fragen eingeübt. Dieſe Fragen beſchränk⸗ ten ſich bisher ſtets auf drei und in unveränderter Reihen⸗ folge alſo lautend:„Wie alt biſt Du? Wie lange dienſt Du? Erhältſt Du Deine Koſt und Löhnung unverkürzt?“

Wider Erwarten hatte der König heute die Reihenfolge ſeiner Fragen mit der ſonſt üblichen zweiten begonnen, hierauf

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