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Prinzessin und Dienerin : geschichtliche Erzählung aus dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts / von Gustav Nieritz
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ſo viel Selbſtbeherrſchung, daß ſie nicht, wie die Uebrigen, ihre Blicke von den Haarbeuteln der Profoße auf die Haar⸗ beutel des anweſenden franzöſiſchen Geſandten und ſeiner vornehmen Begleiter richteten, welche ſich hierdurch gleichſam an den Pranger geſtellt ſahen und vor innerer Wuth hätten platzen mögen.

Der König von Preußen, welcher durch ſeine haarbe⸗ beutelten Profoße ſeinen Unwillen über dieſe neue pariſer Mode an den Tag legen wollte, bedachte nicht, wie eine der⸗ artige Verſpottung den blutigſten und verderblichſten Krieg hätte hervorrufen können.

Wem fallen hier nicht die Geſandten ins Gedächtniß, welche der König David an den Ammoniterkönig Hanon abſchickte, um ihm zu ſeiner Thronbeſteigung beglückwünſchen zu laſſen, die jener Heidenkönig, auf den Rath ſeiner Mini⸗ ſter, mit verſchnittenen Bärten und Kleidungsſtücken heim⸗ wärts ſchickte, wodurch Hanon den erſt ihm freundlich ge⸗

ſinnten David in einen Todfeind umwandelte, welcher den

ſeinen Abgeſandten angethanen Schimpf durch einen ver⸗ heerenden Krieg rächte?

ſicht immer entdeckt das nachſpürende Auge die feinen, faſt unſichtbaren Fäden, welche, von der Rachſucht, der Hab⸗ ſucht oder dem Ehrgeize eines einzelnen, aber einflußreichen Menſchen in Bewegung geſetzt, ganze Völker zu den blutig⸗ ſten Kampf gegen einander getrieben haben, wie ſolches offen⸗ kundig bei dem Fürſten Haman geſchah, der wegen einer unterlaſſenen Höflichkeitsbezeigung von Seiten Mardachai's das geſammte Judenvolk abſchlachten zu laſſen beſchloß. Oder wie bei dem franzöſiſchen Miniſter Louvois, der wegen