117
Mühen ſei und der ganze Park mindeſtens ein Menſchenalter beſitze. Um ſo mehr war es zu beklagen, daß dieſes ſchnell geſchaffene Paradies, nachdem die Kaiſerin einige Tage darin geweilt hatte, gleich nach ihrer Abreiſe dem Verfall anheim gegeben wurde und in ſein früheres Nichts zurückverfiel.
Vier Tagereiſen hinter Krementſchuk kam der Czarin ein vornehmer, ihr ebenbürtiger Gaſt, der öſtreichiſche Kaiſer, Joſeph II., entgegengereiſet, der zu dem Triumphzuge der ruſſiſchen Monarchie nach Taurien eingeladen worden war.
Gemeinſchaftlich ſetzten von nun an die beiden hohen, gekrönten Häupter ihre Reiſe fort, überall von Feſtlichkeiten aller Art empfangen, unterhalten und begleitet. Die durch Potemkins Grauſamkeit verwüſtete und entvölkerte Halb⸗ inſel Krim wieder zu beleben, legten die beiden Majeſtäten unter großem Pomp den Grund zu verſchiedenen ueuen Städten, von denen Joſeph II. witzig ſagte;„Catharina IHI. legte den erſten, ich den letzten Stein.“ Denn mehr wie dieſe zwei Grundſteine bekam man von dieſem beabſichtigten Städtebau nicht zu ſehen.
Endlich gelangten die hohen Reiſenden in Cherſons Nähe, wo die Kaiſerin über die ſchönen Anlagen vor dieſer Stadt, über die Landhäuſer und Prachtgärten erſtaunte, von welchen man auf die Wohlhabenheit ihrer Beſitzer ſchließen konnte. Aber nur die nächſten Häuſer waren wirkliche, die übrigen blos gemalte. Aus Mangel an Holz waren die Palliſadenreihen um die Stadt von Schilf geſchnitten und ſchön angemalt, aber die Krongebäude daſelbſt mit unglaub⸗ licher Pracht ausgeführt. Reiche Waarenlager, welche aller⸗ wärts in Cherſon ausgebreitet lagen, verliehen dieſer Stadt


