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Des Königs Kind : eine geschichtliche Erzählung für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Allein zwei von den Todtengräbern bezeichneten den Sarg Ludwigs XVII. mit weißen Kreideſtrichen, um ihn in der Zukunft wieder zu erkennen, eine Handlung frommer Hochachtung, welche ſie auch bei den Leichen des gemordeten Königpaares ausgeführt hatten und durch welche in ſpäteren Zeiten die traurigen Ueberreſte ausgemittelt und nach dem königlichen Begräbnißorte zu Saint Denis übergeführt wer⸗ den konnten.

Süperbe verweilte als treue Dienerin bis zum 25. De⸗ cember 1795 bei der unglücklichen Dauphine, welche an jenem Weihnachtstage gegen mehrere gefangene Regierungs⸗ beamte der franzöſiſchen Republik ausgewechſelt wurde.

Sie wurde ſpäter mit ihrem Vetter, dem Herzog von Angouleme verheirathet, blieb aber kinderlos, legte nie die Trauerkleider um die gemordeten Ihrigen ab und hat in ihrem Leben nicht wieder gelacht.

Wer hätte das auch nach ſo ſchrecklichen Erfahrungen vermocht?

Von der großen, glänzenden Schaar feiler Höflinge und Schmeichler war den beiden königlichen Kindern nie⸗ mand zuletzt verblieben als ein armes, buckeliges Mädchen, das, von den Menſchen als ein Gefäß in Unehren angeſehen, die einzige Pflegerin und Tröſterin des Dauphins und der Dauphine, mithin ein Gefäß hoher Ehren, geworden war.

Aeußerlich unbelohnt, innerlich aber von dem ſüßen Bewußtſein treu erfüllter Liebespflicht hoch beſeligt, kehrte Süperbe mit ihrem Oheim und dem guten Pfarrer nach Miraille zurück.

Da während der Revolution ſämmtliche Klöſter in Frank⸗ reich aufgehoben worden waren, ſo hatte auch Helviſe, die Schweſter des hingerichteten Maurice von Lünette, ihre Frei⸗ heit wieder erlangt. Sie übernahm nach wiederhergeſtellter Ruhe und Ordnung das Erbe ihres Bruders und machte deſſen begangenes Unrecht nach Möglichkeit wieder gut.