Druckschrift 
Des Königs Kind : eine geschichtliche Erzählung für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

158

Neben ihm ſein Bruder, der ihm an Grauſamkeit nichts nachgegeben und bei einem Fluchtverſuche aus dem Rathhausfenſter ein Bein gebrochen hatte. Außerdem gab es noch eine lange Reihe von Karren, beladen mit den eifrigſten Anhängern des Tyrannen, die zu gleichem Tode beſtimmt waren. Unter den vielen Geſichtern befand ſich auch das abſchreckende des Schuſters Simon, welcher bereits ſeit einiger Zeit ſein Wächteramt bei dem Dauphin abge⸗ geben und mit einem angenehmeren vertauſcht gehabt hatte. Ach, ſühnte der Tod durch's Fallbeil wirklich alle die Grau⸗ ſamkeiten aus, die der Schuſter allein an dem unglücklichen Königsſohne verübt hatte? Unter den Todesecandidaten be⸗ fand ſich ferner der vormalige Herr von Lünette, jetzt Volks⸗ recht genannt.

Als Griſſard endlich auch Merceraut's wohlbekanntes Geſicht auf dem einen Karren erblickte, wendete er raſch ſein ſchamvoll erröthendes Antlitz abſeits. Sein Gewiſſen war's, welches ihn jetzt ſchlug um der Freundſchaft und der An⸗ hänglichkeit willen, welche ihn einſt an den Maurer gekettet und zu verdammlichen Reden, wenn auch nicht zu dergleichen Thaten, verleitet hatte.

Unter dem weithin hallenden Hohn⸗ und Freudengeſchrei der Menge bewegte ſich der Karrenzug weiter nach dem Greve⸗ platze, wo die Guillotine ſtand. Griſſard aber war ſtumm und ſtill geworden. Er geſtand ſich ein, daß er nur durch Gottes Gnade, die ihm in Süperbe, Alma und dem Pfarrer. Amboiſe wahrhaft gute Engel beigegeben hatte, vor glei⸗ chen Verbrechen wie die Verurtheilten, und darum vor glei⸗ chem Untergange bewahrt worden war. Jetzt hätte er um keinen Preis die Hinrichtung mit anſehen mögen.

Dieſe ging ohne Hinderniß vor ſich, begleitet von dem Jubelruf der anweſenden Volksmenge.

Schon hatten Griſſard und Frau Malmier mit ihren beiden Kindern mehrere Straßen durchſchritten, welche nach