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„Geh'! geh'!“ gebot der Pfarrer.„Ich werde indeß Deine Hüterſtelle verſehen.“
„Ihr, Herr Amboiſe?“ fragte Süperbe voll Staunen. „Ihr wolltet Euch zum Ziegenhirten erniedrigen 2
„Der Sohn Gottes hat ſich ungleich mehr erniedrigt“— entgegnete der Pfarrer—„und zwar für ſein ganzes Erdenleben. Leichter iſt⸗s, Ziegen als ſündigen Menſchen ein Hirte zu ſein. Uebriges verſpreche ich Dir, daß mir die Zeit hier nicht lang werden ſoll. Ich kam, um Pflanzeu zu ſuchen, und werde das in deiner Abweſenheit thun. Groß ſind die Werke des Herrn. Wer ihrer achtet, hat eitel Luſt daran. Das kleinſte, unbedeutendſte Blümchen und Kräutlein iſt ein Wunderwerk unſeres Gottes. Geh', Kind, und übereile Dich nicht.“
Süperbe lud den Mantelſack auf ihre Achſel und ſchritt
davon. Der Pfarrer dagegen nahm die Peitſche in die linke
Hand und wendete ſeine Aufmerkſamkeit den Pflanzen um⸗ her zu. Selbſt die unſcheinbarſten Flechten und Mooſe wurden Gegenſtände ſeiner Betrachtungen. Dieſelben wur⸗ den nach einiger Zeit durch den Hufſchlag eines raſch daher ſprengenden Pferdes unterbrochen. Es war der Diener des jungen Herrn von Lünette, welcher auf einem ſchweiß⸗ triefenden Pferde zurückkehrte. Er ſtutzte nicht wenig, als er den neumodiſchen Ziegenhirten erblickte, hielt ſein Pferd an, zog höflich ſeinen Hut und fragte haſtig:
„Herr Pfarrer, habt Ihr die buckelige Süperbe nicht geſehen? Wo iſt ſie?“
„Aha!“ verſetzte Herr Amboiſe—„ich errathe, was Euch zurückführt. Ihr habt Euern Verluſt endlich bemerkt


