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Der Kerkermeister von Norwich, oder Das siebente Gebot / von Gustav Nieritz
Entstehung
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aller Mühe vermochten, bringt die Kleine ſpielend zuwege. Wie wir's gedacht haben, iſt des Jungen ſchlechte Er⸗ ziehung an ſeinem laſterhaften Lebenswandel ſchuld.“

„Das iſt nicht recht von Deiner Mutter geweſen“— erwiederte Fannh ernſt.„Wer ſtiehlt, kommt endlich an den Galgen und nicht in den Himmel zu den lieben Engeln. Ich habe Dich auch niemals Deinen Morgen⸗ und Abend⸗ ſegen beten hören. Hat Deine Mutter Dich nicht dazu angehalten?“

„Ich kann gar nicht beten“— entgegnete Eduard. „Wozu auch? Man erbittet ſich doch nichts.“

„Du lügſt!“ rief Fanny unwillig.„Alles, um was ich den lieben Gott gebeten habe, hat er mir gegeben. Aber freilich, wenn Du ſtiehlſt, bekommſt Du nichts von ihm. Das iſt richtig.“

Hier unterbrach der Eintritt Simpſons in das Gemach das Zwiegeſpräch und augenblicklich verſtummte Wilkins.

Am zweiten Tage nach dieſem Geſpräch fand ſich wirklich Fanny's Mutter ein und, wie ſie verſprochen, brachte ſie auch wirklich ein kleines Schweinchen mit, welches ſie von ihrer Schwägerin für ihre treue Abwar⸗ tung zum Geſchenk erhalten hatte. Fannh war vor Freu⸗ den außer ſich und wendete, nachdem ſie ihre Mutter ge⸗ herzt hatte, ihre alleinige Aufmerkſamkeit dem Thierchen zu, deſſen Pflege ſie von nun an übernehmen wollte. Ueber den Anſtalten zur Abreiſe vergaßen Alle, auf Wilkins ge⸗ nauer Obacht zu nehmen, und überſahen daher, daß dieſer mit flnſterm Antlitz aus einem Winkel in den andern ſchlich. Als Fanny einmal in den Hofraum des Gefängniſſes ging,