121 Tag für Tag ſaß nun Pommrich vor der Maſchine und bewegte deren großes, eigenthümlich gebautes Rad, welches die Bettfedern wie herniederwirbelnde Schneeflocken oder vom Sturmwinde umhergetriebene Spreu ausſendete. Es waren die leichteſten Geſchoſſe von der Welt und dennoch hätte es der ehemalige Kanonier faſt lieber geſehen, wenn der Federregen um ihn her mit ſeinem erſtickenden, die Lunge gebreſtenden Staube ein Kugel⸗ oder Funkenregen von Feuerwerksſachen geweſen wäre. Ferdinand brachte ſeine ſchulfreie Zeit bei ſeinem Großvater in der Bettfeder⸗ Reinigungs⸗Anſtalt zu, weil es hier huſchelig warm und nicht ſo einſam wie daheim war. Was kümmerte ſich der Bube um den Staub, um die Gefahr der Anſteckung, um die ſeiner Geſundheit ſonſt noch nachtheiligen Atmosphäre?! Eines Abends erſchien Pommrich ſpät noch in ſeines Kameraden Thomas Wohnung. Auf ſeinem Antlitz lagen tiefe Trauer und ſtille Verzweiflung ausgedrückt, welche jenen nicht wenig erſchreckte. „Was iſt dir, alter Kam'rad?“ fragte Thomas beſorgt. Pommrichs Geſicht zuckte ſchmerzlich, indem er ſtockend verſetzte:„Ich komme— um dir dieſen meinen Vogel⸗ bauer— anzubieten. Ich bedarf ſeiner nicht mehr.“ „Warum nicht?“ forſchte Thomas—„Was iſt mit deinem Mätzchen? Wo iſt es?“ „Hier!“— erwiederte Pommrich, indem er in ſeinen Buſen griff und einen todten Kanarienvogel herausbrachte. „Erfroren iſt das arme, liebe Thierchen, elendiglich, ſchmäh⸗ lich! Und ich neun und neunzigmal vernagelter alter Eſel bin daran ſchuld! Ich konnte mir's doch denken, daß das
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