114
Thaler hatte deine Mutter zu ihrem Begräbniß beſtimmt und hinterlaſſen? Nun, dann denke ich doch, daß zehn Thaler für dich, als junges Mädchen, hinreichen werden. Nun auf, Kind.“
Frau Schietzel brachte jetzt aus ihrer Taſche eine eiſen⸗ blecherne Sparbüchſe, die mit einem vorgelegten Schlößchen feſt verwahrt war, hervor und ſetzte ſolche vor der Patientin auf deren Deckbett hin. Hierauf zählte ſie zehn blanke, neue Silberthaler, deren Aufopferung der geizigen Frau unſäg⸗ liches Weh verurſacht haben mochte, in einer langen Reihe neben der Sparbüchſe auf, wobei ſie tiefathmend ſprach: „Dieſe Thaler ſind dein und ſollen dich der ferneren Sorge für dein Begräbniß entheben. Stecke ſie eigenhändig in die Spalte der Sparbüchſe, von deren Schlößchen ich den Schlüſſel an mich behalte. Darum jedoch höre nicht auf, in Zukunft immer wieder einen Sparpfennig zurückzulegen und du wirſt immer, ſo wie ich, gut dabei fahren. Wenn du dich ganz wieder erholt haſt und ausgehen darfſt, ſo beſuche mich auf eine Taſſe Kaffee und ein paar Zwiebäcke, damit wir das Feſt deiner Geneſung hoch feiern können.“
Daß Frau Schietzel zu dieſer für ſie wirklich unerhörten und großmüthigen Handlung bewogen worden, war ein deutlicher Beweis, welch' einen tiefen Eindruck ihre eigene Lebensrettung durch Auguſten und deren Gebahren auf dem Siechbette auf ſie hervorgebracht hatte. Da das große Opfer nun einmal von ihr dargebracht worden war, ſo freute ſich die Geberin jetzt wirklich darüber und über die ihr von Auguſten und deren Großvater reichlich geſpendeten Dankſagungen. Sie verließ endlich die vnnenubei


