Druckschrift 
Der Galeerensclave : eine geschichtliche Erzählung aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

108

Das jedoch ſchien die Sträflinge nur noch grimmiger, anſtatt furchtſam, zu ſtimmen. Wie von einem tollen, jeder Gefahr ſpottendem Taumel ergriffen, ſetzten ſie ihre Bemühungen, das Haus zu erſtürmen, fort, obgleich auch die Schützen ihre Salven in demſelben fort und fort erneuerten. Bald aber kam den Hartbedrängten Hülfe. Von allen Seiten rückten Kriegerhaufen heran und ſelbſt von den Seeſchiffen im Hafen eilten dichte Schaaren bewaffneter Matroſen und Seeſoldaten herbei. Doch erſt, als das ſchwere Geſchütz mit dem Mus⸗ ketenfeuer ſich vereinigte, die Erde unter furchtbarem Donner erbebte und eine Kartätſchenladung, gleich einem hernieder⸗ ſchmetternden Hagelſchauer, unter die Rothjacken fuhr und deren viele wie Spreu niedermähete, wendeten ſich die Meu⸗ terer zur wilden Flucht oder baten kniefällig um Gnade.

Wie vieles Unheil ſchon das Tabakskraut angerichtet hat! Wie viele Feuersbrünſte durch das unvorſichtige Rau⸗ chen verurſacht, vie viele Millionen Thaler unnütz in die Luft verdampft, wie viele Tauſende fruchtbare Länderſtriche dem ſegensreichen Anbau des Getreides durch die Tabakpflanze entzogen, wie zahlloſer Menſchen Geſundheit und Wohlſtand durch das Rauchen und Schnupfen hingeopfert, wie viele Vergehen durch beides hervorgerufen worden ſind!

Jetzt hatte das verächtliche, ja giftige Kraut einigen und fünfzig Menſchen das Leben gekoſtet, eine ungleich größere Anzahl mit ſchmerzenden Wunden bedeckt, ohne daß die Meu⸗ terer einen anderen Erfolg als eine ſtrengere Behandelung erzielt hätten.

Heinrich von Wedell hatte, durch das Beiſpiel früherer Kameraden verleitet, zwar auch Tabak geraucht, doch war er