— 136— „Hälſt Du ſo etwas für möglich?“ fragte Anna beſorgt.
Könnte eine ſolche Umänderung in dem Menſchenherzen
ſtattfinden?“
„Ich weiß es nicht—“ erwiederte Horſa ſanft— „Gott nur weiß es. Aber laß uns alſo leben, daß wir jeden Tag und mit Freuden dieſes Schloß verlaſſen und wieder in unſer Annathal zurückkehren können, wo wir ſo glücklich waren.“
„Ach mein Annathal!“ ſeufzte Anna—„Was der Vater und die Mutter, was Stephan alleweile ſprechen werden?“
„Sie werden unſrer gedenken, wie wir ihrer—“ antwortete Horſa.„Alljährlich aber verleben wir zwei Monate bei den Unſeren im Annathal. Dies ſei mein Lohn, wie meine Erholung nach den ſchweren Sorgen der Regierung.“
„O ſchön, mein Horſa!“— ſprach Anna freudig— „Du haſt mir dieſen Wunſch aus meiner Seele geleſen.“
„Unſere Kinder—“ fuhr Horſa fort—„erziehen wir für Einfachheit und Genügſamkeit. Sie ſollen in dem Fürſtenſtande nicht eine Würde, ſondern eine Bürde er⸗ blicken, ſollen lieber der Unterſte im Staate als der Oberſte ſein wollen, ſollen frei am inwendigen Menſchen werden.“
„Ach meine Kinder!“ rief Anna liebend aus und beugte ſich über ihre beiden Sprößlinge herab, welche auf dem Sopha bereits feſt entſchlafen waren—
Im Hinblicke auf die geliebten Seinen fö Horſa andächtig ſeine Hände auf der Bruſt. „Mein Gott!“ betete er voll Inbrunſt— ih 5 dir! Erhalte mir dieſen Schatz und mich ſeiner Amen!“
Druck der Hofbuchdruckerei in Altenburg.


