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Bruderliebe : eine geschichtliche Erzählung aus dem 15. Jahrhundert : für die Jugend / von Gustav Nieritz
Entstehung
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Grüßend trat Hugo ſeinen Weg an, begleitet von den Segenswünſchen ſeiner Mutter und Schweſter. Ein Gleiches that die Herzogin Jolande, welche oben am Fenſter ſtand, nur daß ſie ihren Wünſchen noch fromme Gelübde hinzu⸗ fügte, dafern ihres Gatten Bote unangefochten ſeine Sendung vollenden würde. Denn es war ihren angſtvoll forſchenden Blicken nicht entgangen, daß ihr Gemahl zwei Blätter Pa⸗ pier verbraucht und längere Zeit zum Schreiben verbraucht hatte, als zu einem einzigen Briefe erforderlich war.

Die Worte ſeines Oheims in ſeinem Herzen fleißig be⸗ wegend, ſchritt Hugo Michelet auf dem ihm vorgezeichneten Wege dahin, der ihn bald aus dem Bereiche des Schloſſes wie des Städtchens brachte und in einen der damals noch dichten Wälder ſich verlor.

Hier hätte der Knabe ſofort, nach der Anweifung ſeines Oheim, ſeine Bürde wie das ihm beigegebene Schreiben von ſich thun können. Da er aber dann ſeiner Heimath den Rücken hätte zukehren müſſen, Mutter und Schweſter, die mit zärtlicher Liebe ihm anhingen, nicht wiederſehen dürfen, er ſelbſt zugleich einer höchſt ungewiſſen, ja wohl gar gefahr⸗ vollen Zukunft ſich ausgeſetzt haben würde, ſo zögerte er um ſo mehr und mit Recht, dem Rathe ſeines Oheims Folge zu leiſten, als nach des Knaben gutem Glauben, deſſen Sendung nur ein harmloſer Scherz zu Grunde lag und mit ihr, wie Oheim Coittier gefürchtet hatte, keine geheime Nebenabſicht verknüpft war. Ueberdieß ſingt ein bekanntes Liedlein ganz richtig:

„Fröhlich und wohlgemuth wandert das junge Blut,“ wenn zumal die Wanderung im neu erwachten Lenze und in