Erſtes Eapit el.
Die Gruft und die Haſen.
„Es war die höchſte Zeit, daß ich an das Reinigen der herrſchaftlichen Gruft dachte“— ſprach Frau Michelet zu ihrer zwölfjährigen Tochter Antonie.„Sieh, wie der Wind die dürren Blätter des vorigen Herbſtes herein⸗ und
herabgewehet hat! Auch an Spinneweben und anderem
Schmutze i es nicht. Die Frau Herzogin iſt zwar ſehr
gut; es würde ihr aber doch nicht lieb geweſen ſein, wenn ſie an dem und Sterbetage der kleinen Prinzeſſin
Iſabelle die Gruft in dieſem Zuſtande gefunden hätte. Ein
Glück, daß beide Tage, an welchen die Frau Herzogin nur die Gruft betritt, in die ſchöne Jahreszeit fallen. Kehre ja jeden Winkel recht rein, Antonie! Deine jungen Augen ſehen hier in dem Dämmerlicht ſchärfer als die meinen. Auch magſt du mich aufmerkſam machen, wenn du noch Spinne⸗ weben an den Wänden oder an der Decke erblickſt.“
Der Ort, an welchem dieſe Worte geſprochen wurden, war kein freundlicher. Die Gruft der herzoglichen Familie von Nemours befand ſich unter der Schloßkapelle zu Carlat, einer kleinen, franzöſiſchen Stadt. Eine gewölbte Todten⸗ gruft, welche, in der Erde Schooß gelegen, durch kleine, vergitterte Fenſter von oben nur ein mattes Dämmerlicht
.


