148
begangenen Sünden bildlich auferlegten und den ſie dann mit dieſer Sündenlaſt hinausjagten in die Wüſte: eben ſo ſahen ſich Dresdens von der Peſt heimgeſuchte Be⸗ wohner nach einem Sündenbocke um, dem ſie die Schuld ihres Unglücks beimeſſen und den ſie dann fortjagen konnten. Derſelbe war, wie aller Orten in Europa, gar pald in den verhaßten Juden gefunden. So ſchlägt das unverſtändige Kind auf die Bank los, gegen welche es ſich geſtoßen hat, und mißt ihr die Sih des zreigemn Ungeſchicks bei!
Schon Heinrich der Erlauchte hatte ſich veranlaßt geſehen, Geſetze zum Schutze der in ſeinem Lande leben⸗ den Juden zu erlaſſen. Markgraf Friedrich der Ernſt⸗ hafte dagegen geſtattete, im Widerſpruche mit dieſen Ge⸗ ſetzen, in Dresden eine Judenverfolgung, die, wie glle Judenverfolgungen, zu den verruchteſten Thaten der Vor⸗ zeit, wie der Chriſten überhaupt, zu rechnen iſt.
Friedbert und Margarethe waren, ſo wie dies ihnen möglich war, hinaus zu ihrer Mutter geeilt, um dieſelbe von dem Tode ihres Bruders und deſſen geſammter Fa⸗ milie zu benachrichtigen. Frau Renate Schneider nahm dieſe Nachricht mit ungewöhnlicher Lebendigkeit auf.
„Der Herr gehe mit ihm nicht in's Gericht“— ſprach ſie, in Bezug auf ihren Bruder, und mit Haſt— „ſondern laſſe ihn Gnade erlangen— aber, meine Kin⸗ der!“— fuhr ſie eifrig fort—„nun ſeid ihr ja die Erben vom Brauhauſe und von Allem, was mein Bru⸗ der beſaß! Sorgt denn guch jemand dafür, daß ihr um


