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„Beate!“ rief Herr Caspar, indem er das Schrift⸗ buch zuklappte und weglegte—„mein blaues Wams mit den weißen Schlitzen! Iſt der Pedellus noch nicht da? Gleich iſt's neun Uhr und ich muß auf das Rath⸗ haus. Ach, wenn doch heute ein Anderer meine Stelle übernähme! Beate! es iſt ein ſchwerer, ein ſaurer Gang diesmal, der mir einen ſchmählichen Tod zuziehen kann. Bete für mich zu allen Heiligen, Beate, daß ſie mich in ihren kräftigen Schutz nehmen.“
„Was giebt's denn?“ fragte die Frau Bürgermei⸗ ſterin erſchrocken.„Soll die Stadt etwa feindlich an⸗ gegriffen werden? Oder fürchteſt du, daß die Bürgerſchaft dir aufſätzig wird?“
„Aufſätzig nicht“— verſetzte Herr Caspar—„aber ausſätzig, und das iſt noch ſchlimmer als Aufruhr und Empörung. Die Wittib Renate Schneider iſt angeklagt worden, daß ſie mit der Lepra behaftet ſei und dieſen Morgen ſoll die Sache vor Gericht und zur Entſchei⸗ dung kommen.“
„Die Lepra?“ fragte Frau Beate—„Was iſt denn das? In meinem Leben habe ich nicht von dem Dinge etwas gehört, geſchweige denn geſehen.“
„Wohl dir darum!“ ſagte Herr Suchaneck.„Ich gäbe viel darum, wenn ich eben ſo unbekannt mit dem Undinge bliebe wie du. Aber von einem Bürgermeiſter wird verlangt, daß er auch das Schwerſte, das Unge⸗ heuerſte vollbringe, wenn ſich's um das Wohl v Stadt handelt. Du fragſt, was die Lepra ſei? Haſt du von
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