Teil eines Werkes 
1. Theil (1827)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

195

tugendhafteſte Menſch hat ſeine Schwaͤchen und iſt von irgend einer Seite angreifbar. Den unſrigen liegt es ob, ihn zu ſtudieren, alle Zugaͤnge zu ihm auszukundſchaften, und glaube mir unſern beobachtenden Augen ent⸗ geht nichts.. Die Tugend ſelbſt vermag nicht, weder unſere Plaͤne noch unſere Abſichten zu er⸗ rathen ſie wuͤrde dann nicht mehr Tugend ſeyn Nimm aber auch das Schlimmſte an, ſetze die uͤbelſten Fälle voraus, die Sache bleibt doch nur eine verzweifelte. Vermagſt Du zu berechnen was eine Geduld kann, die nimmer muͤde wird? Es iſt das Gewicht einer Maſſe die immer unmerklich und ohne einen andern Hebel als dieſes Gewicht ſelbſt, wirkt: es iſt der Waſſertropfen, der einem andern folgt und langſam aber unablaͤßig, den Stein aushoͤhlt. Haſt Du wohl dieſe Kraft und jene noch viel maͤchtigere einer Sprache berechnet, die ohne Unterlaß unter allen Formen wieder⸗ fehrt und die da trifft, wenn es Zeit iſt; die ſich durch eine Gebehrde, durch ein Zeichen, durch einen Sweifel, durch ein leiſes Zucken er⸗ 13*