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fertig ausgearbeitet habe, wird Dir als politiſcher Bohrer, hoffe ich, Frende machen.
Worauf laufen jetzt zunächſt die politiſchen Poin⸗ ten bei Euch hinaus? fragte Mirabean, ihn bedentſam anblickend.
Es kommt ſo, daß wir dem König jetzt zuerſt eine Denkſchrift überreichen werden, durch welche der neue Finanzplan Calonne's vorbereitet werden ſoll, verſetzte Clavieère mit Feuereifer. Dieſe Denkſchrift ſoll nichts Geringeres als eine gänzliche Umgeſtaltung der fran⸗ zöſiſchen Monarchie fordern, und ich kann mir das erſtaunte Geſicht des guten Louis XVI. denken, wenn der bisherige leichtſinnige Verſchwender Calonne plötz⸗ lich die ſttenge Sprache Turgot's, Vauban's, und Necker's vor ihm reden wird. Ganz Frankreich, bis⸗ her in provinziellen und ſtändiſchen Gerechtſamen ge⸗ trennt und zerſplittert, ſoll in eine alle Unterſchiede in ſich aufhebende Einheit umgeſchaffen werden. Ganz Frankreich ſoll eine Nationalvertretung, wenn auch nur zunächſt mit berathender Stimme erhalten. Die Grundſteuer ſoll nicht blos von den Bürgerlichen ge⸗ tragen ſein, ſondern ſie ſoll ohne Ausnahme auf ſämmtliche Grundſtücke der Königs, der Adeligen und der Prieſter ausgedehnt werden. Die Steuern ſollen im ganzen Lande ermäßigt und der Preis des Salzes herabgeſetzt werden. Die Frohnden werden für ewige Zeiten in Frankreich abgeſchafft. Alle Steuerſchranken im Innern des Landes fallen. Es giebt dann nur noch Gerechtigkeit und Einheit in Frankreich, und alle Privilegien, alle Unterſchiede, alle Scheidewände ſtürzen. Wirſt Du damit zufrieden ſein, Mirabeau?
Ich nehme vor Dir und Calonne den Hut ab, ſage dies auch dem Miniſter! rief Mirabeau mit einer ſtolzen Feierlichkeit. Zwar tretet Ihr noch ſehr ſanft auf, und umwickelt uns die Tatze mit feingeſponnener


