Teil eines Werkes 
2. Theil (1860)
Entstehung
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weit, wenn Du noch immer Dein Verhältniß zu Frau von Calonne ganz außer Anſchlag laſſen willſt. Ich habe Dich oft genug gewarnt, und Dir geſagt, daß Calonne eiferſüchtig iſt und außerdem die Eigenſchaft hat, mit ſeinem beiſpielloſen Spürſinn Alles zu merken.

Ich bin ſchon ſeit mehreren Tagen nicht mehr bei Frau von Calonne geweſen, erwiederte Mirabeau aus⸗ weichend.

Weil ſie Dich nicht mehr angenommen hat, lieber Freund! rief Clavière mit ſpöttiſcher Heftigkeit.

Ah, entgegnete Mirabeau, Herr Etienne Claviere ſcheint mir nicht nur im Bureau des Herrn Finanz⸗ miniſters, ſondern auch im Bondoir ſeiner Gemahlin ganz intim unterrichtet.

Ich habe Deinen Leichtſinn in dieſem ganzen Han⸗ del nicht begreifen können, verſetzte Claviere. Bei einem Feſtbankett trägſt Du ganz offen an Deinem Finger einen Ring, welchen Du einige Augenblicke zu⸗ vor von einer Dame empfangen, deren Mann Dir gerade gegenüber ſitzt, und dem Du damit vor den Augen herumfigurirſt, ſo daß er. beinahe die ihm be⸗ kannte Chiffre in dem Stein des Ringes erkennen kann. Calonne hat ſich durch das Manveuvre, welches wir nachher mit dem Umtauſch der Ringe machten, nicht täuſchen laſſen. Sein Argwohn blieb aufgeregt, obwohl er ſeiner Gewohnheit gemäß ſich nichts merken ließ. Doch vermuthe ich, daß neulich heftige Scenen zwiſchen ihm und Frau von Calonne ſtattgefunden haben, denn ſie konnte den Ring nicht aufweiſen, den er von ihr zu ſehen begehrte, und den ſie einſt von ihm zum Geſchenk empfangen. Frau von Calonne fühlt ſich durch Dich auf's Aeußerſte compromittirt, und das iſt viel gefährlicher für Dich, als der Zorn des Miniſters Calonne, der, aus ſtaatsmänniſcher Klug⸗ heit jedes Aufſehen vermeidend, blos wünſcht Dich von