nicht mehr ernähren können, und beide würden Euch dann auch keine Ideen mehr erzeugen. Der Magen wird daher immer die Univerſalſtätte des menſchlichen Geiſtes bleiben müſſen, und Eure Philoſophie, Caba⸗ nis, macht eigentlich nur eine höflichere Schwenkung, indem ſie alle Ideen aus den Nerven entſtehen laſſen will, ſtatt des gar zu materiell in's Gzwicht fallenden Magens. Aber der Materialismus iſt doch einmal die eigentliche Weisheit der Zeit, es iſt die Weisheit von Stoff und Kraft, die wir aus ihm ſchöpfen, und deren wir ſo hoffnungsfreudig Herr geworden ſind, nachdem wir gewagt haben, die Natur an die Stelle Gottes zu ſetzen. Was ſagt der Meiſter vom hohen Stuhl der Gedanken, der ernſt ſinnende Marquis von Condorcet, dazu?
Ihr wißt, wie ich mit Euch in allen weſentlichen Stücken ſympathiſire, entgegnete Condorcet, aus der Hoheit ſeines ſinnenden Schweigens, in der er ſich zuweilen gern thronen ließ, erwachend. Magen, Ner⸗ ven und Gehirn laſſe ich als die vorzugsweiſen Fac⸗ toren des Daſeins gelten, und was man Geiſt und Gott nennt, beſteht nur im Magen, in den Nerven und im Gehirn, darüber kann man vernünftiger Weiſe gar nicht mehr ſtreiten. Aber Ihr vergeßt dabei ein Geſetz, das ich einmal beſonders einſchärfen möchte, und ohne das die Menſchheit mit Magen, Nerven und Gehirn doch keinen Schritt weit vorwärts kommen würde. Dies iſt das Geſetz der Eutwickelung.
Ah, lachte Holbach mit behaglichſtem Schütteln ſeines Embonpoints, damit werdet Ihr uns nicht aus⸗ ſtechen, Marquis! Was Ihr Entwickelung nennen wollt, nenne ich ja eben Verdauung. Kann es etwas Klare⸗ res unter der Sonne geben? Ein jedes Ding ent⸗ wickelt ſich, indem es ſich verdaut. Wer nichts zu


