rufungen deuteten auf lauter entſetzliche und ſchreckliche Dinge. Man erzählte von einer Frau, die auf der Straße umgefallen ſei und alle Symptome einer Peſt⸗ kranken an ſich getragen hatte. Die Frau war in das Hospital geſchafft worden, und die Menge hatte ſich vor demſelben zuſammengerottet, indem ſie mit unruhigem Toben Sicherheitsmaßregeln verlangte. Man ſprach davon, daß das Hospital durch Truppen beſetzt und abgeſperrt werden müſſe, man forderte, daß der Saal, in welchem ſich die Peſtkranke befand, zugemauert würde. Da verbreitete ſich plötzlich durch Neuherzuge⸗ kommene das Gerücht, daß in einem andern Stadt⸗ theil Londons bereits drei ähnliche Erkrankungen vor⸗ gekommen und daß das Gerücht, die Peſt ſei in Lon⸗ don, dadurch unumſtößlich bewahrheitet werde.*) Ein allgemeines Heulen erhob ſich jetzt in der Volksmaſſe, man ſchrie und tobte laut und ſtieß Verwünſchungen und Flüche aller Art aus. Ich hatte nie ſo etwas Schreckliches gehört und geſehen, eine unbeſchreibliche Angſt bemächtigte ſich meiner, wie aufgeſtiegene wilde Geſpenſter kamen mir die vom Nebel unfloſſenen, in den abenteuerlichſten Geſtalten erſcheinenden Menſchen vor. Meine Sinne begannen mir zu ſchwinden, ich fühlte, daß ich umſinken mußte, und als Hardy mich vom Boden aufhob, hörte ich, wie man rings um mich her ſchrie: ein neues Opfer der Peſt! Auch ſie hat die Peſt! Und ſchon als ich im Wagen ſaß, wo ich noch ſo viel Beſinnung hatte, die Börſe an Hardy zur Aufbewahrung zu übergeben, glaubte ich beſtändig hinter mir her ſchreien zu hören: Laßt ſie nicht fort, ſie hat die Peſt!—
Henriette ſchien von dieſer Erzählung und von der
*) Nach der ungedruckten Correſpondenz Mirabeau's mit Frau von Nehra. Vergl. Montigny Mémoires de Mirabeau IV. 151.


