volle Stirn. Warum biſt Du ſo unzufrieden, mein Freund? fragte ſie mit ihrer ſanften, zärtlichen Stimme.
Ich ärgere mich über mich ſelbſt, erwiederte er ſeufend. Der Zufall führt mir die allergünſtigſte Sitnation herbei, in der ich mit dem erſten Staats⸗ mann Englands in die vertraulichſte Unterhaltung ge⸗ rathe. Und ſtatt dieſe Situation zu meinem Vortheil zu benutzen, wie ich gekonnt und gemußt hätte, verläßt mich jeder diplomatiſche Takt, und ich falle bei ihm gewiſſermaßen mit der Thür ins Haus. Leipenſchaft⸗ lich und unbeſonnen hat man mich von jeher genannt, aber daß ich als Tölpel der Wahrheit figuriren würde, da wo es auf nichts Anderes ankam, als klug, ver⸗ ſteckt und berechneßee ſein, das kann ich mir nicht vergeben. Ich habe mich mit William Pitt unter⸗ halten, wie ich zu Hauſe mit Chamfort oder Condorcet geſchwatzt hätte. Das war meiner vielleicht würdig, aber es war entſetzlich dumm für Jemand, der ſich eingebildet hatte, in London vielleicht eine Art von diplomatiſcher Verwendung finden zu können oder von dem Miniſterium Pitt zu heimlichen Aufträgen ge⸗ braucht zu werden. Ich hatte nicht gedacht, daß mir meine natürliche Offenheit einen ſolchen Streich ſpielen könnte. Statt dieſem Pitt zu ſagen, wie ich denke und was ich will, hätte ich eine Komödien⸗Scene mit ihm aufführen müſſen, in der ich mit einem Gemiſch von Treuherzigkeit und Perfidie mir den Anſtrich ge⸗ geben, als ob ich ſeine geheimſten Gedanken errathen und alle meine Kräfte nur zu einer melodienreichen Variation ſeines Thema's beſtimmt hätte. Statt deſſen blaſe ich mein eigenes Lied auf meinem eigenen In⸗ ſtrument ihm gerade vor der Naſe ab, und als er dies nicht vertragen kann, klopfe ich ihm faſt noch mit meinem Inſtrnment auf die Finger. Nun jetzt werde ich wirklich noch chineſiſche Grammatiken und
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